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Foto: Laura Pabst

Öko-Lüge: Der Schmäh mit der Würfelnatter

Schlägerungen finden derzeit am Murufer statt. Bis in die Innenstadt sollen sie reichen und kosten unzähligen – teilweise geschützten Tieren – das Leben: gerade 10% der mehr als 1.000 geschützten Würfelnattern in Graz konnte gesammelt werden. Der Rest fällt den Baggern zum Opfer. Mit Alibi-Maßnahmen und Hochglanzbroschüren versuchen Energie Steiermark und Holding indes die massive Naturzerstörung an der Mur zu vertuschen. Die Realität sieht anders aus: Schlagenfallen lagen als Müll am Ufer. Rechtliche Schritte wurden eingeleitet.

In der letzten Woche haben Schlägerungen am Murufer begonnen. Bis in die Innenstadt sollen sich die Arbeiten für Zentralen Speicherkanal und Kraftwerk ziehen. Im Moment wird eine Baustraße planiert, Bäume, die im Weg stehen werden gefällt. Die großen Leidtragenden sind unzählige Tiere, die vor diesen Baumaßnahmen nicht flüchten können. Sie sterben unter den Ketten und Schaufeln der Baugeräte.

Durch den Bau von Murkraftwerk und Kanal werden Lebensräume europaweiter streng geschützter Tierarten zerstört. Darunter auch Schlangenarten wie Würfelnatter, Äskulapnatter und Schlingnatter. Die Tötung dieser Arten ist verboten, weshalb die Energie Steiermark vorgeschlagen hat, die Tiere im Vorfeld abzusammeln. „Möglichst vollständig“ soll die Population laut UVP-Bescheid umgesiedelt werden. Der Bauwerber ist dazu verpflichtet, die Auflage zu erfüllen. Die Maßnahme wird in Werbebroschüren der Energie Steiermark und der Holding Graz auch ausführlich beworben.

In der Realität wird sie jedoch nur spärlich umgesetzt. Laut einer von der Umweltanwaltschaft in Auftrag gegebenen und vom Reptilienexperten Dr. Werner Kammel gemeinsam mit der Naturschutzjugend durchgeführten Studie wurde allein die Populationsgröße der Würfelnatter in diesem Gebiet auf 1.391 Individuen geschätzt, wovon ca. die Hälfte auf das direkte Projektgebiet des Murkraftwerks entfallen. Im Februar dieses Jahres, als die Schlägerungen durchgeführt wurden, waren im Auftrag der Errichter der Murstaustufe jedoch nur 83 Würfelnattern abgesammelt worden.

„Bei knapp 10% von einer ‚möglichst vollständigen‘ Ansammlung zu sprechen wäre schlichte Realitätsverweigerung,“ stellt Gabriele Faller von der Plattform „Rettet die Mur“ klar, „Man bemüht sich auch nicht: Ausgelegte Folien werden vernachlässigt und als Müll am Murufer zurück gelassen, statt Schlangen abzusammeln. Bagger rollen darüber hinweg. Es handelt sich um eine reine Alibi-Aktion. Wir haben dieses Vorgehen genau dokumentiert und werden es den Gerichten vorlegen.“

Zum Nachweisen von Schlangen verwendet man so genannte Reptilienplots - dunkle Matten auf  weichem Untergrund, die sich in der Sonne aufheizen. Die Reptilien werden vor allem am frühen Vormittag durch die warmen Plätze angelockt und kriechen unter diese Matten. Dort kann man sie einsammeln und an einen sicheren Ort bringen. Wer sich jedoch die ökologischen Maßnahmen vor Ort ansah, wundert sich nicht über die geringe Menge abgesammelter Schlangen. Reptilienplots, die zum Absammeln der Schlangen dienen sollten, lagen monatelang unbetreut wie Abfall am Murufer.

 
wie Müll zurückgelassen - Fotos: Gabriele Faller und Oliver Gebhardt

„Durch die Vernachlässigung der Maßnahmen wurden bereits im Februar unzählige Schlangen getötet. Nach der großflächigen Zerstörung ihres Lebensraumes im Süden von Graz ist es unwahrscheinlich, dass sie überlebt haben. Jetzt geht die Zerstörung bis in die Innenstadt weiter. Betroffen sind genau die Gebiete, in denen sich die Würfelnattern zurückziehen. Sie können oft nicht schnell genug vor den Baumaßnahmen flüchten und werden zerquetscht,“ erklärt Oliver Gebhardt von der Naturschutzjugend, „Als Naturschützer blutet mir bei einem solchen Umgang mit geschützten Tierarten das Herz! Es sind Alibi-Maßnahmen die hier passieren. Eine Population ‚möglichst vollzählig‘ in derart kurzer Zeit abzusammeln ist mit dieser Methodik nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unmöglich. Gemeinsam mit der Umweltanwältin haben wir bereits Einspruch bei den zuständigen Behörden eingelegt. Doch nun gehen die Rodungen weiter, was erneut tausenden gefährdeten Tieren das Leben kosten wird. Es wird Zeit, dass die Energie Steiermark und die Holding Graz dafür auch die Verantwortung übernehmen.“

Mit Hochglanz-Werbeversprechen in grünen Broschüren versuchen Energie Steiermark und Holding Graz trotzdem hartnäckig, sich das Projekt schönzureden. Man bewirbt angebliche „Ökomaßnahmen“, um über die Zerstörung während des Baus hinwegzutäuschen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Wie sich EStAG und Holding die Einhaltung der Auflagen vorstellen, kann man beispielsweise anhand der Öko-Lüge um die Würfelnatter sehen.

Würfelnattern sind zierliche, ungiftige Schlangen, die am und im Wasser leben. Sie sind in Österreich stark gefährdet und daher gesetzlich geschützt. Graz hatte das Glück, eine große Population zu beherbergen. Sie stehen beispielhaft für eine Reihe von Tierarten von Fledermaus über Huchen bis hin zu Kleinstlebewesen, deren Leben vom Kraftwerksbau und den dafür nötigen Speicherkanal bedroht sind.

 

Dokumentation: Ungenutzte Würfelnatter-Fallen an der Mur


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