Ökologische und soziale Kosten hoch – Finanzen undurchsichtig
Nach dem Ende der Einspruchsfrist der UVP zum Murkraftwerk Graz
bleiben auch nach Durchsicht der Unterlagen viele Fragen offen.
Versprochene Maßnahmen sind in den Unterlagen nicht enthalten,
Kosten der Ausgleichsmaßnahmen und die Haftungen für Risiken sind
großteils nicht geklärt. Stromkonsumenten, Steuerzahler und die
Grazer Bevölkerung werden die Belastungen letztendlich zu tragen
haben. Eine objektive Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Staustufe
ist daher zwingend notwendig.
Die ökologischen Verschlechterungen durch einen Kraftwerksbau in
Graz wären enorm, ein einzigartiger Lebens- und Freizeitraum würde
durch die Staustufe verloren gehen. GrazerInnen, allen voran
tausende AnrainerInnen, wären in der Bauzeit einer massiven
Feinstaub-, Lärm-, und Verkehrsbelastung ausgesetzt. Allein in der
Fröhlichgasse sollen gemäß den Ausführungen der EStAG zusätzlich 140
LKW pro Tag durch die Straße rollen – am Weblinger Gürtel und der
Puntigamer Straße sogar über 800. Diese enormen Belastungen sind mit
all ihren Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität jedoch
finanziell nicht bezifferbar. Die Grazer Bevölkerung soll sie
stillschweigend hinnehmen.

Auch wer für die in den Medien beworbenen Ausgleichsmaßnahmen
aufkommen soll, ist in den Unterlagen nicht enthalten. „Die Liste
der Mängel ist lang. So sind zum Beispiel weder der versprochene
Ersatz für die beliebte Welle der Surfer und Kajakfahrer noch die
Aufweitung der Mur im Norden von Graz in den Projektunterlagen zu
finden.“ stellt Clemens Könczöl, Sprecher der Plattform Rettet die
Mur fest. „Entweder sind auch dies leere Versprechungen oder man
will die Kosten einfach auf die Stadt Graz umwälzen.“ fürchtet
Clemens Könczöl.
Cornelia Maier, stv. Geschäftsführerin des Umweltdachverbandes
zeichnet das gleiche Bild. „Die freie Fließstrecke der Mur in Graz
befindet sich jetzt in einem guten Zustand und kostet dem Land
nichts. Durch den Bau des geplanten Kraftwerks wird jedoch eine
Zustandsverschlechterung eintreten. Das Land wird verpflichtet sein,
nach der Errichtung des Kraftwerkes den guten Zustand bis zum Jahr
2027 wieder herzustellen,“ erklärt Maier. Es würden zuerst enorme
Kosten für den Bau des Kraftwerkes entstehen und danach noch einmal
hohe Kosten für die Sanierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung des
guten Zustandes aufzubringen sein. „Diese Vorgehensweise erinnert
stark an die Geschichten der Schildbürger. Ein derartiger Streich
sollte in Anbetracht des geringen Beitrages des Kraftwerkes zur
Stromversorgung wohl überlegt sein.“ gibt Maier zu Bedenken.
