19. Mai 2011
Abwärmenutzung statt
Murkraftwerk – eine Win-Win-Situation für Graz
Pünktlich zu Beginn der Murenquete präsentieren
Wissenschaftler Alternativen zur Staustufe Puntigam. Die Bürgerinitiative
„Prozesswärme für Graz“ unter der Führung von Umwelttechniker und
Raumplaner Walter Felber, präsentierte im Monatsmagazin
Frontal ein Konzept für effiziente Abwärmenutzung in der Stadt. Als
umweltfreundlich und kostengünstig beschreiben Experten die Alternative,
durch die man sich den Bau der Staustufe Puntigam endgültig sparen kann.
Die Zeit des Umdenkens in der Stromproduktion ist gekommen. Billig,
schonend und effizient soll Energie in Graz produziert und genutzt werden.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Vertreter der Stadt und der
Graz Holding die neuen Pläne zur Abwärmenutzung begrüßen. Die Abwärme von
Grazer Industriebetrieben soll dabei gesammelt und, unter anderem, als
Strom ans Netz weitergegeben werden. 28.000 Haushalte können auf diese
Weise allein durch den Einsatz der Abwärme der Gasverdichterstation
Weitendorf mit sauberem Strom versorgt werden, bestätigt die OMV.
Selbst bei Höchstleistung könnte ein Wasserkraftwerk an der Mur diese
Werte bei weitem nicht übertreffen. Speziell im Winter bringt ein
Murkraftwerk gerade ein Drittel seiner maximalen Leistung. Zu wenig, um
den erhöhten Energiebedarf in der kalten Jahreszeit zu decken. Die wenigen
Kilometer, die der Mur noch an freier Fließstrecke geblieben sind, haben
jedoch einen hohen Stellenwert für die Bevölkerung. Nicht nur sie, sondern
auch die Tier- und Pflanzenwelt würden unter einer Totalverbauung leiden
müssen.
„Jetzt ist die Zeit gekommen, neue Wege zu gehen“, erklärt Clemens Könczöl,
Sprecher von „Rettet die Mur“, „dank innovativen Techniken und der
rasanten Weiterentwicklung können wir heute Strom erzeugen, ohne die
Umwelt und unsere letzten Flüsse zu zerstören.“
Der Bau der Staustufe Graz ist nach der Präsentation der Alternativen
endgültig obsolet geworden. Die massiven Folgen für die Stadt Graz sind
nicht zu rechtfertigen. Für die Stadt wäre eine effektive Nutzung der
Abwärme ein großer Gewinn. Industrie, Politik und Bevölkerung könnten
davon profitieren. Der Wirtschaftsstandort wird gestärkt und die
Lebensqualität in der Stadt gesteigert. Eine Nutzung der Abwärme würde
auch die hohe Feinstaubbelastung in der Stadt reduzieren.
„Die Verantwortlichen der Energie Steiermark müssen jetzt entscheiden, wie
der ‚grüne‘ Weg des Konzerns aussehen soll“, meint Markus Ehrenpaar,
Geschäftsführer des Naturschutzbund Steiermark, „wenn Bürgermeister Nagl
aber die Alternativen im Sinne der Bevölkerung erkennt und nutzt, wird die
Stadt auf jeden Fall profitieren.“. Neben „Rettet die Mur“ begrüßen auch
Österreichs Naturschutzorganisation das Umdenken. „In den nächsten Wochen
werden wir noch weitere Alternativen vorlegen und somit die Verantwortung
für einen modernen Weg in die Zukunft übernehmen“, kündigt Könczöl an.
Quelle:
Frontal (aktuelle Ausgabe, Mai 201